Gewöhnliche Leute, die für Österreich Außergewöhnliches erreichen werden

Frühjahr 2011. Genug ist genug. Ich lebe nun schon seit mehr als 18 Jahren in der Schweiz, bin aber immer noch Österreicher durch und durch. Und es tut mir seit meiner Gymnasialzeit in Innsbruck weh, wie schlecht unsere Politiker unser Land regieren, wie sehr wir unter unserem Potential leben und wie viel mehr man aus Österreich machen könnte, würden die besten Leute auch eine gewisse Zeit Ihres Lebens in den Dienst der Gesellschaft stellen. Nicht dass ich meine, ich wäre einer dieser besten, aber vielleicht könnte ich einen Beitrag dazu leisten.

Mich trägt die Idee, dass eine unabhängige und glaubwürdige Alternative zu den etablierten Parteien es schaffen könnte, auf Anhieb eine Mehrheit bei Wahlen zu gewinnen und Österreich zu erneuern. Der Frust und die Unzufriedenheit sind überall mit Händen zu greifen. Es müssten bekannte und glaubwürdige Persönlichkeiten aller politischen und sozialen Herkunft sein, aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft und Sport sein. Leute, denen man abnimmt, dass sie es nicht für den eigenen Vorteil machen, sondern weil sie Verantwortung spüren und etwas zurückgeben wollen. Leute, die schon etwas erreicht haben in ihrem Leben.

Politische Erneuerung als Karriere-Killer

So beauftrage ich einen Headhunter in Wien, Gespräche mit potentiellen Kandidaten zu organisieren, die ich hoffe, für ein solches Vorhaben zu gewinnen. Viele Reisen von Zürich nach Österreich und viele freigenommene Tage später – die meisten Gespräche sind ernüchternd: ‘Ja, gute Idee. Bräuchte es. Ist aber nicht zu schaffen. Und ob ich mitmachen würde? Nein, ich habe eine Familie zu ernähren. Und so etwas wäre ein Karriere-Killer. …’ Ein Sportler sagt mir, er hätte seiner Mutter versprochen, nie in die Politik zu gehen. Ein SPÖ’ler sagt mir, er fühle sich der Partei zu verbunden. Ein Komponist, er ist ernüchtert und tut sich das sicher nicht an.

Ich muss mir irgendwann eingestehen, dass mein Plan nicht funktionieren kann. Zu ‘verzahnt’ ist das System, als dass man eine Bewegung von glaubwürdigen Persönlichkeiten für ein solches Vorhaben gewinnen könnte. Und so begrabe ich meine Idee. Vielleicht ist der Leidensdruck noch zu gering, sind die etablierten Parteien noch zu einflussreich. Die Zeit ist noch nicht reif.

Ein Gespräch jedoch trägt ungeahnte Früchte.

Im Sommer hatte ich in den durch einen Headhunter angebahnten Gesprächen auch einen Kommunikationsberater getroffen, einen unglaublich sympathischen Menschen, der trotz vielen Jahren politischen Engagements immer noch idealistisch war und sich für die Idee einer Erneuerungspartei erwärmen konnte. Dieser hatte im Herbst ein Treffen mit Matthias Strolz organisiert, einem politisch engagierten Vorarlberger in Wien. Wir hatten ein gutes Gespräch und viel gemeinsame Übereinstimmung. Aber das alleine war zu wenig. Einer der vielen gefrusteten Bürgerlichen der hinteren Reihen allein macht noch keinen politischen Frühling.

Meinen Misserfolg schon fast vollständig verdrängt, erreicht mich Ende des Jahres unverhofft ein Mail des Kommunikationsberaters, dass sich etwas tut. Dass ein paar Leute um Matthias Strolz etwas wagen. Ich bin erfreut und komme natürlich gerne dazu. Aber ich bin skeptisch, ob dies ohne bekannte Persönlichkeiten zu machen ist. Im Laufe der vielen Gespräche, Treffen und Arbeiten gewinnt die Idee, eine Bewegung ‘aus der Mitte der Gesellschaft’ zu begründen an Überzeugungskraft. Ich treffe viele Leute – genauso unbekannt wie ich, die mich beeindrucken mit Professionalität, Engagement und ehrlichem Streben nach einem besseren Österreich, nicht für sich sondern für alle. Jede und jeder hat eine eigene Geschichte, eigene Enttäuschungen und Frust mit der Politik, aber auch Hoffnungen, Wünsche und Ideen.

Aus der Mitte der Gesellschaft

Besonders beeindruckt mich der Mut von Matthias Strolz. Er gefährdet den wirtschaftlichen Erfolg seines eigenen Unternehmens, beendet seine Geschäftsführung und steht ohne gesichertes Einkommen für seine Familie da. Wenn der Versuch scheitert, ist er wahrscheinlich auch beruflich gescheitert. Den Spott hat er schon jetzt. Und dennoch oder gerade deshalb: Er bringt viel Energie, gute Leute, Humor, prägnante ‘Sager’ und auch unkonventionelle Methoden in die Bewegung. Es entsteht eine positive Dynamik, die langsam aus der Mitte der Gesellschaft an Fahrt gewinnt und die in dem kommenden Jahr in kleinen aber konstanten Schritten genug Stärke erreichen kann, wirklich etwas zu bewegen.

Ich gewinne Vertrauen in die Idee, dass ganz normale Leute es schaffen können, Österreich zu erneuern. Es ist möglich, dass gewöhnliche Leute gemeinsam Außergewöhnliches erreichen. Das ist neos, das neue Österreich, mit neuen Köpfen, neuem Stil und neuer Politik aus der Mitte der Gesellschaft!

2 comments

  1. hermannarnold · March 17, 2013

    Schade …
    Ich kann mich mit dem Schielen nach Grossspendern nicht identifizieren. Ich glaube, das nimmt neos Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit und kostet am Ende Stimmen und Unterstützung (auch finanzielle) durch die Mitte der Gesellschaft. Deshalb werde ich mich nicht weiter engagieren. Ich respektiere eure Entscheidung, verstehe eure Angst, nicht genug finanzielle Mittel durch crowdfunding herein zu holen. Auf diese Weise wird neos das auch nicht mehr schaffen. Höre die Leute schon sagen: warum soll ich 20 Euro spenden, habts ja den Haselsteiner und seine Millionen.
    LG und neos viel Erfolg.

    Der zentrale Punkt bleibt das Schielen nach Grossspenden. Wenn das LIF verkündet (und das ist leider keine Ente), dass NEOS/LIF die einzige ausserparlamentarische Bewegung ist, die über genügend finanzielle Mittel für einen Wahlkampf verfügt, dann ist das genau das, was nun seinen Lauf nimmt. Damit nimmt NEOS sich das Momentum, das langsam gekommen wäre, mit Kleinspenden eine wirkliche finanzielle Macht aufzubauen. Ich war immer der Meinung, dass man mit Mut und Engagement durch nach oben begrenzte Spenden weit mehr als 2 Mio. EUR bis zur Wahl zusammenbringen kann. Das hätte wirkliche Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit gebracht.
    Ich hätte es als notwendig gesehen – und das habe ich auch dem Vorstand mitgeteilt, bevor der Vertrag mir die Unmöglichkeit aufzeigte – dass NEOS sich selbst zu Spendenobergrenzen bekennt. Niemand kann mehr als z.B. 25’000 EUR spenden, auch kein Haselsteiner oder andere von der Forbes Liste. Dann hätte Matthias auch in der ZiB 2 ganz anders auftreten können – selbstbewusst und mit einem Appell an die Zuseher, sie müssen spenden, wenn sie was ändern wollen. NEOS ist keine zweite Stronach-Partei – und auch nicht die Neuauflage des LIF. Stattdessen kokettiert NEOS mit “Wenn Haselsteiner was einwirft” -> als Zuhörer verstehe ich “eine Million aufwärts”.
    Da nun der Vertrag da ist – und er auch nicht mehr aufgeschnürt werden kann und soll, kann NEOS nicht einfach mit der neuen Idee einer Spendenobergrenze kommen. Ausserdem gibt es dazu bei NEOS keine Mehrheit (ich hatte das ja schon mal intensiv zu bewerben versucht) und auch das LIF würde ziemlich sicher nicht mitmachen.
    Ich finde Finanzen einer Partei eine zentrale Sache. Wessen Geld ich bekomme, dessen Musik ich spiele. Transparenz, Unabhängigkeit etc.hin oder her. Und NEOS hat sich da ein Wahnsinns-Instrument aus der Hand genommen. Es wäre so klar ein anderer Stil gewesen, so klar der Appell an die Mitte der Gesellschaft, so klar mit jeder Spende ein paar sichere Stimmen und ein paar Promotoren etc.
    Der Zug fährt. Ich verstehe und respektiere die Entscheidung. Ich selbst kann da nicht mit. Ich möchte nicht einmal in den Verdacht kommen, dass ich mich kaufen liesse. Die Zusammenarbeit mit dem LIF macht Sinn – nur das Anzapfen der LIF-Geldgeber nicht.
    NEOS hat mir Spass gemacht. Es sind viele tolle Leute, die ich kennen lernen durfte. Danke dafür!

    Habe Matthias in zib 2 gut gefunden. Nur bei Spenden nicht so souverän, wir es möglich gewesen wäre. Eine grosse Chance vertan, neos anders als andere Parteien zu positionieren und x Spender zu gewinnen. Das ist eben genau die Frage. Kann neos einen solchen Aufschlag, der nicht so häufig kommt, nutzen und vor allem wie? Was ist das Ziel des Auftritts? Mit einer Spendenselbstbeschränkung hätte man viel auslösen können und dem Momentum einen positiven Verstärker. Ohne Schielen auf Grossspenden zumindest neutral wirken können.
    Zu meiner Entscheidung. Mir war bereits beim Beschluss gegen Obergrenzen klar, dass neos in diese Richtung tendiert. Ich hatte aber offen gesagt gehofft, dass keine Grossspender so früh konkret vor der Türe stehen, sodass neos sich auf Kleinspender konzentriert/konzentrierten muss und auch selbst Vertrauen gewinnt, dass das geht. Natürlich auch mit Geldsorgen, die wichtig sind, um die Energie zu wecken.
    Das ist jetzt durch. Und damit ist für mich die Entscheidung klar, wenn mich das auch traurig macht. Viele andere Themen und Entscheidungen habe ich mitgetragen, wenn auch manche gegen meine Überzeugung. Finanzen sind halt ein Offenbarungsthema mit viel mehr Auswirkungen als wir alle denken.
    Und klar gibt es Leute, die das gut finden. Entbindet sie von eigener Verantwortung, was zu spenden. ‘Die anderen, (Einfluss)Reichen werden es schon richten.’ Genau gegen das tritt neos eigentlich an. Wenn es nur um die moralische, inhaltliche Unterstützung ginge, wären auch 25’000 Euro genug. Darüber hätte auch ich mich gefreut. Das ist eben genau die Mechanik.
    Der Würfel ist geworfen. Im Herbst wird man sehen, wie es ausgeht. Ich wünsche neos viel Erfolg.

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    • hermannarnold · July 29, 2013

      Zur Klarstellung. NEOS ist um Welten transparenter, fortschrittlicher und wählbarer als die Alternativen. Auch wenn ich nicht mehr aktiv mitmache, so bin ich weiterhin überzeugt von NEOS und werde sie auch wählen.

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